Premiere: 20.11.2010 / 19:30 Uhr
Besetzung
| Musikalische Leitung | Gero Wiest |
| Inszenierung | Dirk Löschner |
| Choreographie | Adrian G. Turner |
| Bühne und Kostüme | Christopher Melching |
| Dance Captain | Andreas Gräbe |
| Dramaturgie | Sascha Löschner |
| Tevje | Manfred Ohnoutka |
| Golde | Tabea Scholz |
| Zeitel | Anne Noack |
| Hodel | Ico Benayga |
| Chava | Susanne Kreckel |
| Shprintze | Ronja Lange/Susana Maria Christina Felix Piefke Das Neves |
| Bielke | Lea-Charlott Hoffmann/Charlotte Rother |
| Jente | Claudia Lüftenegger |
| Rabbi | Christopher Melching |
| Mendel | Alexa Wilzek |
| Fedja | Samuel Fischer |
| Sascha | Andreas Gräbe |
| Mottel Kamzoil | Michel Haebler |
| Shandel | Sandra Schilling |
| Perchik | Jan Kittmann |
| Lazar Wolf | Mathias Kusche |
| Wachtmeister | André Vetters |
| Motschach | Rudolf Dietrich |
| Awram | Mark Jantzin |
| Nachum | Thomas Grzywotz |
| Oma Zeitel | Petra Drescher |
| Fruma Sara | Sandra Schilling |
| Magd/1. Frau | Sabine Langels |
| 2. Frau | Cornelia Schwarzbrunn |
| Theaterchor des Theaters der Altmark | |
| Fiedler | Kinneret Sieradzki |
| Akkordeon | Konstantin Buryan |
| Klarinette | Régis Vincent |
| Kontrabass | Mario Bärecke |
| Gitarre | Robert Grzywotz |
17.09.11, 19:30 Großes Haus 23.09.11, 19:30 Brandenburg 24.09.11, 19:30 Brandenburg 25.09.11, 15:00 Brandenburg
Freuen Sie sich auf den Klassiker im Musicalrepertoire! Die Verbindung von jüdischem Witz, berührend lebensechten Figuren, mitreißender, von chassidischer Folklore inspirierter Musik und Songs wie „Wenn ich einmal reich wär“ haben dem Musical von jeher begeisterte Zuschauer und zahlreiche Auszeichnungen beschert. Ein tragikomisches Stück über den Schmerz des Abschiednehmens, aber auch über die unbändige Liebe zum Leben.
Das Theater der Altmark bringt das Erfolgsmusical in der autorisierten Fassung besonders stimmungsvoll mit Klezmer-Kapelle auf die Bühne.
Es war sicher ein Kraftakt für Regisseur Dirk Löschner, unterstützt durch Choreograf Adrian G. Turner, aus einem Konglomerat von Gästen, Laiendarstellern und -chor sowie den Schauspielern des TdA ein Team zu formen, diese Ensembleleistung wie zur Premiere am Samstagabend von “Anatevka” zu erarbeiten.
In einem Bühnenbild, das wie im Setzkastenprinzip das “Stättl” Anatevka zeigt (Ausstattung Christopher Melching), entwickelt sich die spannende Geschichte um Milchmann Tevje, seine Familie und die Dorfgemeinschaft. Nicht weniger Anteil daran hatte auch Gero Wiest, der aus der Partitur heraus ein Klezmerarrangement schuf. Die fünf Musiker wurden so eine zur Szene gehörige Gruppe, die im Geschehen wie selbstverständlich handelte. Mit Manfred Ohnoutka stand ein Tevje auf der Bühne, der mit erleben musste, wie in Anatevka, das – siehe Eingangschor – der Tradition bewusst aufgeschlossen und verpflichtet war, sich immer weiter die Gegenwart mit ihren Widersprüchen durchsetzt. Seine zunächst geübte Philosophie “einerseits – andererseits” bei den beiden älteren Töchtern und ihren Heiratsabsichten gegenüber Zeitel (Anne Noack), die ihren Schneider Mottel (Michel Haebler) erhält, statt mit dem dicken Fleischermeister verheiratet zu werden; und Hodel (Ico Benayga), die dem revolutionären Denker (Jan Kittmann) in die Verbannung folgt, zerbricht an der Dritten im Bunde Chava (Susanne Kreckel), die schließlich einen Russen in dessen Kirche heiratet. Ehefrau Golde (Tabea Scholz) führt zwar strenges Hausregiment, kann sich aber den neuen Tatsachen gegenüber auch nicht durchsetzen. Diese in sich schon dramatische Geschichte, mitunter auch aufheiternd wie im Solo des Milchmanns im Gespräch mit seinem Gott oder in der inszenierten Traumszene, die dieser seiner Frau vorführt, um der Erstgeborenen zu ihrem geliebten Mann zu verhelfen, ist eingebettet in das Geschehen im Dorf, das mit der Zarenduma auf Ausweisung innerhalb von drei Tagen endet.
Hier zeigten Tänzer und Chor in unterschiedlichen Typen, wie diese Dorfgemeinschaft mit alle ihren Eigenproblemen durch die Geschichte getrieben wird. (…) Diese Ensembleleistung erbrachte den höchst verdienten Erfolg. (Altmark Zeitung 22.11.2010)
Das Erfolgsmusical “Anatevka” hat am Sonnabend im Theater der Altmark einen weiteren Erfolg feiner können. Tosender Applaus für eine mitreißende Aufführung.
Anatevka ist ein armseliges kleines Dorf. Irgendwo im zaristischen Russland in den Jahren vor der Revolution, genauer gesagt im Jahr 1905. Die jüdischen Bewohner leben seit langer Zeit in friedlicher Koexistenz mit ihren andersgläubigen Nachbarn. (…) Milchmann Tevje und die anderen Juden des Ortes können ihre Traditionen aufrechterhalten.
Die uralten Traditionen haben ihnen in ihrer Diaspora stets Halt gegeben. Jeder kennt seinen Platz und seine Rolle in der Gemeinschaft. Der Vater ist der Ernährer und Bestimmer der Familie, die Frau für den Haushalt und die Kinder zuständig, der Nachwuchs ordnet sich dem Wort des Patriarchen unter. Geheiratet wird nur, wen der Vater mit Hilfe einer Vermittlerin bestimmt.
Tevje ist ebenfalls traditionsbewusst. Doch nun, das die ältesten drei seiner fünf Töchter in heiratsfähige Alter kommen, gerät sein Weltbild ins Wanken. (…)
Aus Liebe zu seinen Töchtern bricht der Milchmann mit den Traditionen und nimmt den Ehestreit mit seiner Golde in Kauf. Nur als die dritte Tochter einen russischen Goj einen Nicht-Juden, heimlich heiratet, ist für Tevje die Grenze überschritten. Dieser Beziehung verweigert er den väterlichen Segen. Chava ist für ihn als Tochter verloren.
Tevjes Welt wird nicht nur in familiärer Hinsicht auf den Kopf gestellt: Ein Erlass des Zaren verfügt, dass alle Juden Anatevka verlassen müssen. (…)
Auf der Stendaler Bühne sieht man kein typisches Anatevka. Ausstatter Christopher Melching hat stattdessen ein Bühnenbild geschaffen, das an ein großes Fotoalbum erinnert: Die Schauspieler sitzen in Rahmen, aus denen sie nur manchmal herabsteigen. Hier wird eine Geschichte erzählt. Es ist, als ob jemand alte Aufnahmen zeigt, während er sich erinnert: “Damals in Anatevka…” Die Wirkung ist für den Zuschauer grandios, und lange Umbauten zwischen den Szenen werden auf diese Art und Weise vermieden.
Regisseur Dirk Löschner hat mehr als 40 Leute in seiner Inszenierung auf die Bühne gebracht: Schauspieler aus dem Stendaler Ensemble, Gastschauspieler und viele Laiendarsteller. Sie alle tragen zum Gelingen dieser Aufführung bei.
Erwähnt werden können hier jedoch nur einige. Hauptdarsteller Manfred Ohnoutka zum Beispiel. Er setzt vor allen Dingen auf den jiddischen Humor des Tevje und spielt sich so in die Herzen der Zuschauer. Tabea Scholz überzeugt als Ehefrau Golde, sowohl schauspielerisch , als auch gesanglich. Claudia Lüftenegger (kaum zu erkennen als dicke Heiratsvermitterin mit Oberlippenbart) ist wunderbar wie immer. Mathias Kusche als Fleischer ebenfalls. Beide geben diesen kleineren Rollen eine unglaubliche Intensität.
Gero Wiest, musikalischer Leiter des Theaters, hat für dieses Musical eine Klezmer-Fassung geschrieben. Statt eines großen Orchesters ist eine fünfköpfige Band in die Handlung auf der Bühne integriert: Kinneret Sieradzki (Geige), Régis Vincent (Klarinette), Konstantin Buryan (Akkordeon), Mario Bärecke (Kontrabass) und Robert Grzywotz (Gitarre). Sie machen die ohnehin wunderbare Musik noch mitreißender. Hier kann der Zuschauer die Lebensfreude und die Traurigkeit, die in den Liedern steckt, nicht nur hören, sondern auch sehen.
“Anatevka” bietet Humor und Anrührendes in kurzweiligen drei Stunden. (Stendaler Volksstimme, 22.11.2010)
Detmold (Nv). Ausverkauft! Das Musical “Anatevka”, seit 47 Jahren erfolgreich auf den Bühnen der Welt, landete am Sonntagabend, 20. März, im Landestheater. Dargeboten wurde es während der Landesbühnentage vom Theater der Altmark. (…)
Die Idee der Tradition, die leicht in Nostalgie umschlagen kann, greift Intendant Dirk Löschner, den Detmolder Bühnen langjährig verbunden, in seiner Inszenierung auf. Sie hält gekonnt die Balance zwischen den turbulenten Auftritten des in jeder Hinsicht starken Chores und anrührend authentisch wirkendem Musiktheater. Christopher Melching hat dafür eine Guckkasten-Bühne geschaffen, deren in Rahmen gefasste Figuren sich bei Bedarf ins Spiel mischen. Zur stimmungsvollen Atmosphäre liefert das von chassidischer Folklore inspirierte Quintett in Klezmer-Besetzung die passenden, von Gero Wiest arrangierten Klänge. (…) (Lippische Landes-Zeitung)
(…) Die Szenerie umrandet Christopher Melching mit liebevoll konstruierten offenen Häusern auf der Bühne des Landestheaters und wählt die Kostüme so authentisch, dass man sich auch am 20. März 2011 ins Russland des frühen 20. Jahrhunderts versetzt fühlt. Aus einem der Fenster schaut der wunderbare Rabbi, der hin und wieder mit seiner hutzeligen Stimme ein “Mazel Tov” einwirft und damit immer richtig liegt.
Tradition wird in Anatevka groß geschrieben, denn ohne sie wäre das Leben “so unsicher wie der Fiedler auf dem Dach.” Dieser Fiedler ist eine Frau und heißt beim Theater der Altmark, Kinneret Sieradzki. Wenn sie spielt, ist es, als müsse das Publikum kurz die Luft anhalten, um bloß keinen der anmutigen und zarten Klänge zu verpassen, die sie ihrer Geige entlockt. Die Menschen aus Anatevka sehen sich mit drohenden Pogrome konfrontiert, dennoch gelingt es ihnen, sich ihre Heiterkeit zu bewahren. Dicke bärtige Männer und Frauen in bodenlangen Röcken tanzen oder springen im Kreis über die Bühne. Angeheizt wird die Stimmung durch die sehr gute Klezmer Band. Aus den zünftigen Volkstänzen sticht vor allem eine eine elegante Szene heraus die ein weiteres Mal beweist: Ballett und Männlichkeit schließen einander nicht aus. (…) (Lippische Landes-Zeitung)
Ein buntes Musical-Spektakel mit viel Witz und Charme bot “Anatevka”. Das Theater der Altmark brachte die Geschichte um die jüdischen Bewohner Anatevkas auf die Bühne, die trotz Armut ihren Frohsinn nicht verloren. (…)
Das Stück trumpft mit einer Vielzahl an Schauspielern auf, die teilweise bis in die Nebenrollen grandios besetzt sind. (…)
Das Publikum hatte besonders Manfred Ohnoutka als Tevje und Tabea Scholz, die die Mutter Golde verkörperte, ins Herz geschlossen. Sehr authentisch und lebensecht zeigen die Darsteller das Dilemma der Figuren, die zwischen Familie und den gesellschaftlichen Traditionen stehen. (…) (Lippische Landes-Zeitung)