Besetzung
| Inszenierung | Jan Steinbach |
| Bühne und Kostüme | Christopher Melching |
| Dramaturgie | Aud Merkel |
| Voigt | Mathias Kusche |
| Bahnbeamter 1 | Peter Donath |
| Wabschke, Kalle, Trumpp, Kilian | Sören Ergang |
| von Scheltow, Arbeitssuchender, Obermüller, Schleinitz | Florian Kleine |
| Willy, betrunkener Grenadier, Deltzeit, Krakauer | Jan Kittmann |
| Oberwachtmeister, Jellinek, Knell, Gefängnisdirektor, Keßler, Bahnbeamter 2 | Bernd Marquardt |
| Frau Obermüller | Angelika Hofstetter |
| Frau Hoprecht | Claudia Lüftenegger |
| Auguste, Fanny | Claudia Tost |
| Plörösenmieze | Susanne Kreckel |
| Mädchen | Frederike Duggen |
20.04.12, 19:30 Großes Haus 22.04.12, 19:30 Bad Bevensen 28.04.12, 19:30 Großes Haus 03.05.12, 20:00 Salzwedel 05.05.12, 19:30 Brandenburg 06.05.12, 15:00 Brandenburg 16.05.12, 19:30 Großes Haus 12.06.12, 19:30 Großes Haus Karten 14.07.12, 19:30 Großes Haus Karten
»Ein als Hauptmann verkleideter Mensch führte gestern eine von Tegel kommende Abteilung Soldaten nach dem Köpenicker Rathaus, ließ den Bürgermeister verhaften, beraubte die Gemeindekasse und fuhr in einer Droschke davon.« So schrieben die Berliner Zeitungen im Oktober 1906.
Wer kennt sie nicht, die Geschichte des armen vorbestraften Schusters Voigt, der ohne Arbeit keinen Pass und ohne Pass keine Arbeit bekommt und sich vor Verzweiflung als hoher Militär ausgibt, um im Rathaus von Köpenick endlich ein Personaldokument zu ergattern.
Die authentische Geschichte verarbeitete Carl Zuckmayer 1931 zu einer amüsanten Satire über deutschen Untertanengeist, Militärvergötterung, aber auch über den Witz des einfachen Mannes.
In der Spielzeit 1931/32, also unmittelbar nach der Berliner Urauffühung am Deutschen Theater im März 1931, wurde “Der Hauptmann von Köpenick” am Theater in Stendal gespielt und ist hier nun seit 80 Jahren erstmalig wieder zu erleben.
Gleich vorweg: Mathias Kusche in der Titelrolle ist die Idealbesetzung. So stellt man ihn sich vor, den Wilhelm Voigt alias Hauptmann von Köpenick. Kusche ist anrührend und komisch als Schuster Voigt; unscheinbar und einfach, – wenn auch mit einem gesunden Menschenverstand gesegnet. Als falscher Hauptmann strahlt er eine imposante Autorität aus. Klar, dass alle vor ihm stramm stehen. Eine schauspielerische Glanzleistung. (…)
Regisseur Jan Steinbach hat mit Dramaturgin Aud Merkel den sehr langen Originaltext geschickt gekürzt. Und ihm ist ein Spagat gelungen: Seine Inszenierung unterstreicht die Aktualität des Stoffes, ohne bemüht modern oder anachronistisch daherzukommmen. Das Sozialkritische in Zuckmayers Text ist zu erkennen genau wie der Humor.
Den Zuschauer erwarten keinerlei fragwürdige Regieeinfälle, die das Stück „entstauben“ sollen. Stattdessen: ein tolles Bühnenbild, das schnelle Szenenwechsel erlaubt und trotzdem nicht sparsam wirkt (Ausstattung: Christopher Melching), und sehenswerte Schauspieler.
Mathias Kusche steht mit zehn Kollegen und Kolleginnen auf der Bühne. Sie müssen insgesamt mehr als 40 Rollen mimen. Und das meistern sie tadellos. „Der Hauptmann von Köpenick“ wartet vorwiegend mit männlichen Rollen auf: Und so beeindruckt in der Stendaler Inszenierung die Vierer-Riege Peter Donath, Sören Ergang, Jan Kittmann und Florian Kleine. Schnell werden hinter den Kulissen Kleidungsstücke gewechselt, Perücken aufgesetzt oder Scheitel auf die andere Seite gekämmt. Veränderungen in der Stimme und Körperhaltung tun ihr Übriges: ein völlig anderer Charakter ist da. Grandios!
Die Frauenrollen sind untergeordnet. Umso erfreulicher, dass Steinbach seine Schauspielerinnen in vielen Szenen zumindest als Statistinnen einsetzt. Besondere Erwähnung gebührt Frederike Duggen für ihre Darstellung des schwindsüchtigen Liesken und Claudia Lüftenegger als Voigts Schwester. Beide hinterlassen in diesen kleinen Rollen einen großen Eindruck.
„Der Hauptmann von Köpenick“ bietet in zweieinhalb Stunden beste Theaterunterhaltung.
(Volksstimme, 23.04.2012)