Komödie von Friedrich Dürrenmatt

Um seine wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht preisgeben zu müssen, hat sich der Physiker Möbius in eine Irrenanstalt zurückgezogen. Er weiß, in den falschen Händen könnten sie verheerende Folgen für die Menschheit haben. Aber seine Verantwortung ist größer als die Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern, die er vor fünfzehn Jahren verlassen hat. Auch die Heimleitung und die anderen Patienten lässt er im Glauben, er sei verrückt, bis eines Tages alles anders kommt.

Die großartige Parabel von der Verantwortung des Wissens schuf Friedrich Dürrenmatt 1961 in Zeiten des Kalten Krieges, einer weltweit wahrgenommenen nuklearen Bedrohung und ersten atomaren Todeserfahrungen. Sein Lehrstück ist nicht nur Schulstoff geworden, sondern bleibt angesichts neuer Gefahren in Gen-, Energie- und Umweltforschung für jede Gesellschaft hochaktuell.

Wo sind die Grenzen eines vernünftigen Umgangs mit Wissen? Und wer bestimmt sie? nach Goethes »Faust« und Ibsens »Ein Volksfeind«, die am Theater der Altmark inszeniert wurden, sind »Die Physiker« ein weiterer Klassiker auf der Suche nach dem Sinn und Unsinn menschlichen Strebens.

Dauer: 1 Std. 15 min.

Pressestimme: Wie weit darf ein Genie denken?

„Mit André Vetters (Möbius), Mathias Kusche (Newton) und Bernd Marquard (Einstein) steht ein absolut sehenswertes Trio geniale und infernale auf der Bühne. Nicht minder überzeugend auch die anderen drei Schauspieler: Sören Ergang und Claudia Tost (jeweils Doppelrollen) und nicht zuletzt Angelika Hofstetter als schrille Anstaltsleiterin. (…) Verpackt werden diese Fragen in ein äußerst amüsantes, wenn nicht schon grotesk-komisches Kostüm. Sommerhäuser hat den Humor Dürrenmatts bestehen lassen und dem Publikum rund 75 Minuten beste Unterhaltung beschert. Toll auch das Bühnenbild und die Ausstattung von Sofia Mazzoni. (…) Eine gelungene Aufführung, die bei der Premiere am Mittwochabend auch ensprechend viel Applaus einheimste. (…)“
(Stendaler Volksstimme, Freitag 07.10.11)

Pressestimme: Wo die Weltformel Illusionen killt

Die Premiere der Inszenierung von Corinna Sommerhäuser […] offenbarte eine Aktualität, wie sie eindringlicher nicht sein kann. […]
André Vetters gibt seinem Möbius die gedankenklare Position, dass nur Irresein die irre gewordene Welt noch retten kann.
Mathias Kusche stellt einen smarten Wissenschaftler auf die Szene, der glaubt, im Geld und ‘persönlicher Freiheit’ seine Ideale gefunden zu haben. Sein Gegenpol, Bernd Marquard, spielt den ideologiebewusst [und] ebenso kalt handelnden Spion der anderen Seite, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. […]
Ob am Schluss dieser Möbius den Verlockungen der mächtigen von Zahnd (Angelika Hofstetter), die hier ihr wahres ungeschminktes Gesicht zeigt, standhält oder mit verantwortlich wird am menschenverachtenden Tun, muss und soll dem Zuschauer überlassen bleiben. […]
Eigene Verantwortung zu übernehmen, regt diese sehenswerte Inszenierung auf jeden Fall an.
(Altmark Zeitung, 07.10.11 )

Pressestimme: _Geschichten aus dem Irrenhaus _

Das muss erst einmal einer schaffen: Friedrich Dürrenmatts „Physiker“ in 70 Minuten! Das Theater der Altmark Stendal (TdA) schafft es. […]
Die Inszenierung von Corinna Sommerhäuser ist Erzähltheater, dem schnellen Kommentar vor dem der Zuschauer anfangs fast kapitulieren möchte, näher als dem Drama. Aber die Dramatik, die Tragödie, ergibt sich aus der Thematik. Die Verantwortung des Wissenschaftlers, des Ingenieurs ist an keine Zeit gebunden. Ist die Erfindung erst in der Welt, kann man mit ihr machen, was man will. […] Und weil man vor manchem Gedanken, vor allem jedoch dessen Umsetzung in Realität, begründete Furcht haben muss, ist es das ewig aktuelle Dilemma, in dem sich Forscher auch heute noch befinden. […]
André Vetters ist der tief erschütterte Möbius, der nicht glauben kann, dass er längst durchschaut ist, dass sie schon Geld aus seinen Erfindungen schlagen. Eiskalt Angelika Hofstetter als Dr. von Zahnd, […] diese Ärztin beherrscht die Globalisierung und sichert ihr Kapital und Möbius hat am Ende keine Wahl, sich ihr zu fügen. Hatte er wirklich keine Wahl? Er hätte sich viel eher entscheiden können. Entscheiden müssen! […]
Die bestürzende wie faszinierende Veranschaulichung der Ethik eines Wissenschaftlers pflanzt dem Zuschauer ein leises Erschrecken ein: Was können die schon alles hinter ihren Labortüren? Wie groß ist Verantwortung, wenn es nur noch ums Geld geht? So viele Fragen – kaum eine Antwort. Eine verstörende Aufführung.

(Allgemeine Zeitung Uelzen, 08.11.2011)