Premiere: 30.03.2011
Besetzung
| Inszenierung | Oliver Bierschenk |
| Bühne und Kostüme | Christopher Melching |
| Dramaturgie | Antonia Holle |
| Louise | Susanne Kreckel |
Heute ist Louises Geburtstag, aber ihre Mutter kann nicht mehr dabei sein. Louise erzählt, wie ihre Mutter Krebs bekam, wie sie immer kränker wurde und schließlich gestorben ist. Sie spricht über ihre Angst und ihre Wut darüber, dass die Erwachsenen so getan haben, als sei alles in Ordnung, anstatt ehrlich über die Krankheit der Mutter zu sprechen.
Genauso erinnert sich Louise aber auch an das letzte Weihnachtsfest, als ihr Bruder und ihr Onkel die Mutter durch die klare Winterluft geschoben haben und als Schneeflocken vor ihr herumgehüpft sind, bis sie vor lauter Lachen Schluckauf bekam. Im Krankenhaus hätten sie nicht Trübsal geblasen, hat Louises Mutter gesagt, sondern die Angst weggelacht, und auch Louise feiert mit ihrer besten Freundin unter freiem Himmel Geburtstag, isst Würstchen, hat Spaß und wartet, bis es dunkel ist und die Sterne am Himmel stehen, damit ihre Mutter auch dabei sein kann. „Ein Stern namens Mama, kann doch sein, oder?“
Das Stück nähert sich behutsam den Themen Abschiednehmen und Tod und führt auf einfühlsame Weise vor, dass das Leben neben dem Schmerz des Verlusts unendlich viel Schönes verheißt, das es mit allen Sinnen zu erleben gilt.
Louise kommt vorfreudig ins Klassenzimmer herein – heute hat sie Geburtstag. Doch ihre Mutter kann nicht mehr dabei sein. Warum – das erklärt sie den Jungen und Mädchen der dritten Klasse. “Mama ist krank geworden und an Krebs gestorben”, sagt Louise geradewegs heraus. Die Kinder sind still. “Sie hatte einen Knoten in der Brust”, erklärt das Mädchen.
Krebs – “nicht das Tier, sondern die Krankheit” wie Louise erläutert, ist der Grund, warum ihre Mutter an ihrem Geburtstag nicht dabei sein kann. Die Kinder schauen bedächtig das junge Mädchen an. Doch Louise fährt fort, öffnet einen großen Karton – Luftballons mit Familienfotos fliegen bis hoch an die Decke. Die Drittklässler schmunzeln. Louise erinnert sich, wie sie mit ihrem Onkel über die Krankheit ihrer Mutter sprach, und er sie immer wieder ermuntert hat. Ein Auf und Ab der Gefühle, denn die Krankheit scheint zu gehen und zu kommen wie sie will. “Der Krebs war doch besiegt! Wie konnte er wieder kommen?” fragte Louise verzweifelt in die Runde. “Und dann hatte Mama keine Haare mehr”, erzählt Louise bestürzt. Nach dem Krankenhausaufenthalt habe es viele Veränderungen gegeben. Zuhause wurde es ruhiger. Papa weinte öfter: “Ich wollte kein Mitleid, sondern nur, dass Mama wieder gesund wird.” Und wieder war der Krebs da, diesmal in der Lunge. Doch Louise hat sich bereits mit dem Tod beschäftigt: “Dein Körper stirbt, doch deine Seele steigt zum Himmel.” Und dann, kurz nach Weihnachten, passierte es: Louises Mama starb, friedlich im Schlaf, wie sie sagt. Uns seitdem schaut sie immer in den Nachthimmel: “Ein Stern namens Mama, kann doch sein, oder?”; sind ihre letzten Worte, dann verlässt Louise das Klassenzimmer.
Das Stück mit der Schauspielerin Susanne Kreckel als Louise demonstrierte einfühlsam, wie schwer Abschiednehmen und Trauer sind. Nach dem Kinderbuch von Karen-Susan Fessel und der Bühnenfassung von Antje Siebers, vom TdA Stendal produziert, löst das Stück sowohl traurige Momente, aber auch lachende Gesichter bei den Zuhörern aus – denn “das Leben hat doch so viel Schönes zu bieten”, so das Resümee. Dramaturgin Antonia Holle: “Kinder können nicht nur Freude, sondern auch Trauer empfinden und damit umgehen.” Auch wenn wenn das Thema schwierig sei, müsse man darüber aufklären und reden. Das taten sie auch im Anschluss. (Stendaler Volksstimme)
Nicht das Große Haus war gestern Spielort für die Premiere des Theaters der Altmark, nicht das Rangfoyer, sondern ein Klassenzimmer der Bilingualen Grundschule. Gespannt saßen die Jungen und Mädchen im Kreis, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde. Herein kam Louise (Susanne Kreckel), die ihren Geburtstag feierte. Und das sei schließlich ein Grund zum Fröhlichsein. (…)
Kreckel zog das Publikum in ihren Bann, balancierte zwischen Traurigsein, etwa, wenn sie erzählte, dass Mama nach einem Krankenhausaufenthalt wieder Krebs bekam, und Ausgelassenheit, wenn sie beispielsweise mit Sonnenbrille zum Lied tanzte, das ihr Onkel Jan für sie geschrieben hatte.
Schließlich wurde über den Tod gesprochen, das Thema, wovor sie am meisten Angst gehabt hatte. Doch nun wusste sie, dass es an der Zeit war, Abschied zu nehmen. “Ich werde ein Stern sein”, hatte ihre Mama ihr gesagt. Denn mit dem Leben sei es so wie mit einer Kerzenflamme, wenn man sie ausbläst, steigt der Rauch nach oben.
Mucksmäuschenstill waren die Grundschüler gewesen, erst am Ende des Stückes wurde es laut im Klassenzimmer, als der Applaus für die souveräne Solo-Schauspielerin gespendet wurde.
Eines schweren Themas, das schon Erwachsenen nicht leicht fällt, hat sich das Theater der Altmark mit dem neuen Klassenzimmerstück angenommen. Abschiednehmen und Tod für Kinder aufzubereiten, ist aber eine noch größere Aufgabe. Mit der Inszenierung von Oliver Bierschenk nach dem Kinderbuch “Ein Stern namens Mama” wurde sie offenbar erfolgreich gelöst. Und die Bilinguale Grundschule hat Mut bewiesen, dieses Stück zu zeigen. (Altmark Zeitung)