Boulevardkomödie nach dem Roman von Daniel Glattauer

Obwohl Emmi und Leo einander nicht sehen, trinken sie doch gemeinsam Rotwein, streicheln sie einander mit Worten, verschmelzen ihre Lebenswelten. Durch einen Tippfehler ist Emmis Mail bei Leo gelandet, aus anfänglich distanziert-ironischem Geplauder ist eine virtuelle Freundschaft und schließlich schmerzende Sehnsucht nach dem unsichtbaren Gegenüber erwachsen. Doch mit der Innigkeit der Beziehung wächst die Sorge, den geweckten Erwartungen nicht gerecht werden zu können. „Wollen Sie zu mir kommen?“ fragt Leo seine Emmi. „Wir machen ganz einfach das Licht aus. Wir müssen uns nicht sehen. Ich will Sie nur spüren. Küssen wir uns? Ich mach’ die Augen zu.“

Der Bestseller von Daniel Glattauer ist in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch als Bühnenstück ein Hit.

Besetzung:
Emmi – Alexa Wilzek
Leo – Jan Kittmann

Pressestimme: Ein Briefroman auf der Bühne: Immer unterhaltsames Theater

Zum Spielzeitende geht das Theater der Altmark seit Jahren in die Freiluftkneipe. Im Stendaler Gerberhof hatte am Sonnabend “Gut gegen Nordwind” Premiere. Bei schönstem Sommerwetter geizte das Publikum nicht mit Beifall für einen insgesamt kurzweiligen Abend.
Eine Laufsteg-Bühne teilt den romantischen Hof der alten Gerberei, an beiden Enden ein winziges, angedeutetes Zimmer. Regisseur Hannes Hametner und Bühnenbildner Christopher Melching lassen Alexa Wilzek alias Emmi und Jan Kittmann alias Leo zum Greifen nah inmitten der Zuschauer agieren. Diese Nähe ist fürs Publikum ungewohnt und für die Schauspieler bestimmt nicht einfach. Heraus kommt jedoch eine Unmittelbarkeit der man sich schwer entziehen kann.
Und wer hätte das bei diesem Stoff gedacht? Immerhin werden in “Gut gegen Nordwind” lediglich E-Mails verschickt. Und doch funktioniert es! Der mittlerweile fünf Jahre alte Briefroman von Daniel Glattauer ist als Bühnenfassung äußerst sehenswert.
Emmi Rother hat beim Tippen Schwierigkeiten mit gewissen Buchstaben: Manchmal ist einer der Finger einfach schneller als er sollte. Deshalb landen einige E-Mails versehentlich bei Leo. Der wiederum macht Emmi auf ihren Fehler aufmerksam, sie bedankt sich, er antwortet … und schon ist eine kleine Beziehung entstanden. Eine Beziehung, wie sie im Zeitalter des Internets häufig anzutreffen ist: anonym, oberflächlich und unverbindlich. Doch bei Emmi und Leo bleibt es nicht dabei. Ihre Mails werden immer persönlicher und verbindlicher. Sie lernen sich kennen, ohne sich je zu sehen. Bald schon sind diese Mails fester und geliebter Bestandteil beider Leben. Sehnsüchte entstehen, vielleicht sogar so etwas wie Liebe. Aber ist das möglich? Kann man sich in jemanden verlieben, den man nur via Computer kennt?
Da die beiden in der gleichen Stadt wohnen, wäre ein Treffen zwischen Emmi und Leo durchaus machbar. Doch zu groß ist die Angst vor einer möglichen Enttäuschung. Was, wenn die wirkliche Person der “virtuellen” nicht gerecht wird?
Hannes Hametner lässt Alexa Wilzek und Jan Kittmann in seiner Inszenierung nicht wirklich miteinander agieren. Nie haben sie Augenkontakt. Beide Schauspieler bleiben auf ihren Seiten der Bühne und formulieren, lesen und spielen die elektronischen Briefe. (…)
“Gut gegen Nordwind” ist eine Komödie, die viel Stoff zum Nachdenken liefert. Niemals seicht, aber immer unterhaltsam. Nicht in der Freiluftkneipe ein Garant für einen schönen Abend. (Stendaler Volksstimme)

Pressestimme: Sommertheater-Stück endet romantisch, aber ohne Happy End

“Gut gegen Nordwind, die Boulevard-Komödie nach dem Bestseller des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer, bietet im Sommertheater Gerberhof gleich doppeltes Vergnügen: Hannes Hametner hat in die Laufstegstrecke quer durch den Hof (Ausstattung Christopher Melching) die Handlung spritzig, witziglocker aber keineswegs oberflächlich inszeniert. Und: Direkt neben dem Zuschauer ohne Barriere, kaum einen Meter entfernt agieren beide Protagonisten: Alexa Wilzek als Emmi und Jan Kittmann als Leo. Die Geschichte eignet sich wie kaum eine zweite für aufheiternde Unterhaltung. (…)
Über den Laufsteg hinweg machen beide Darsteller klar, wie sie im “virtuellen Duo eine Insel der Seligen” im Alltag beziehen. Sie probiert verschiedene Perücken, falls sie sich ihm vorstellt, er huscht in Ausgangskleidung. Nervös sind beide vor einem ausgemachten Treffen ohne gegenseitiges Erkennen. Körperliche Sehnsüchte wachsen in ihr, er bringt nach durchzechter Nacht wegen vergeblicher Nachricht von ihr seinen Körper durch unendlich erscheinende Liegestütze (Szenenbeifall und Mitzählen im Publikum) auf Vordermann. So wogen die Gefühle in der Geschichte hin und her. Schließlich will man sich zum letzten Mal treffen, sehen, tun, was der Zufall billigt. Der Gang beider aufeinander zu, erst aneinander vorbei, dann direkt aufeinander zu: Ein schauspielerischer Höhepunkt des Sommertheaterabends. Sie tanzen miteinander, ineinander versunken. Aus dem Off ertönt ihre Stimme und erklärt, warum sie sich diese letzte Begegnung doch versagte. Auch ohne Happy End endet der Abend poetisch aufmunternd erfreulich komödiantisch. Beifall! (Altmark Zeitung)