Premiere: 15.10.2010 / 19:30 Uhr
Besetzung
| Musikalische Leitung | Sebastian Undisz |
| Inszenierung | Manfred Ohnoutka |
| Bühnenbild und Kostüme | Christopher Melching |
| Dramaturgie | Antonia Holle |
| Lola Blau | Claudia Lüftenegger |
| Die alte Lola Blau | Annie Christel Lange |
15.12.11, 19:30 Kleines Haus 17.12.11, 19:30 Kleines Haus 22.01.12, 18:00 Kleines Haus 22.03.12, 19:30 Kleines Haus 28.03.12, 20:00 Itzehoe 21.04.12, 19:30 Kleines Haus
Das legendäre Stück verleiht der fiktiven Sängerin Lola Blau eine Stimme, die auf
der Flucht vor den Nazis zunächst in der Schweiz über diverse Kleinkunstbühnen
tingelt und nach ihrer Ausweisung schließlich in Amerika zum gefeierten Showstar und
Sexstarlet avanciert. Zurück im Wien der Nachkriegszeit verlässt sie die nur scheinbar heile Welt des Theaters, um im Kabarett gegen die „Ewig Gestrigen“ anzusingen.
In berührenden und bissig-schwarzhumorigen Songs lässt Lola das Publikum an ihrer packenden „Fahrt ums Überleben“ teilhaben – ein fulminanter Abend für eine Schauspielerin.
“Im Theater ist nichts los!” singt Claudia Lüftenegger alias Lola Blau. Von wegen! Was die Zuschauer am Freitagabend im Theater der Altmark in Stendal erlebten, straft diese Liedzeilen Lügen. Die Premiere von Georg Kreislers Musical “Heute Abend: Lola Blau” wurde mit frenetischem Applaus und stehenden Ovationen gefeiert.
In dieser Inszenierung stimmt einfach alles: die Musik, die Ausstattung und die Darstellerin. Claudia Lüftenegger braucht ungefähr fünf Sekunden, um das Publikum völlig in den Bann zu ziehen. Fasziniert hängt jeder im Saal an ihren Lippen. Und das zwei Stunden lang.
Sie spielt und singt sich durch das Leben der Lola Blau: mal frech und heiter, mal anrührend und melancholisch. Immer jedoch mit einer unglaublichen Intensität. Einfach beeindruckend, wie sie es schafft, sich von einem zum anderen Moment zu verwandeln und die Spannung aufrecht zu erhalten.
Begleitet wird sie von Sebastian Undisz am Flügel. Sein Spiel ist ebenfalls ein echter Ohrenschmaus und lässt das dunkle Timbre von Lüfteneggers Stimme superb zur Geltung kommen.
Kreislers traurig-heiteres Musical wird seit immerhin fast 40 Jahren gespielt. Unter der Regie von Manfred Ohnoutka ist es einmal mehr zu einem großen Erlebnis geworden. Hier werden ernste Botschaften mit einer genialen Leichtigkeit vermittelt. Nicht oberflächlig oder beschönigend. Und ohne, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.
Die Ausstattung (Christopher Melching) besteht aus einem Schrank an der Wand, einem Tisch, einem Sofa und einem Überseekoffer. Da der Schrank auch mal schnell zur Tür oder Künstlergarderobe, der Überseekoffer zum Liegestuhl werden kann, reicht das völlig aus.
Zum Inhalt: Die Wienerin Lola ist jung, hübsch und voller Tatendrang. Und sie hat ihr erstes Engagement als Schauspielerin in der Tasche. Doch der “Anschluss” Österreichs an das Deutsche Reich macht alles zunichte. Die Jüdin flieht nach Zürich, wo sie sich mit Auftritten in Nachtclubs über Wasser hält.
Als sie des Landes verwiesen wird, emigriert sie in die USA. Während ihrer Schiffspassage unterhält sie auf dem oberen Deck in aufreizender Abendgarderobe die feine Gesellschaft mit lasziven Liedern. Und auf dem Unterdeck lässt sie als “Jingelchen” die armen jüdischen Auswanderer die Alltagssorgen vergessen. Mit ebenso frechen, aber viel authentischeren Liedern.
In den Vereinigten Staaten avanciert sie schnell zum Nachtclub-Star, wird sie zum Publikumsliebling der vergnügungssüchtigen “besseren” Gesellschaft.
Sie ist unglücklich. Einerseits, weil sie auf ein ein sexy Image reduziert ist, andererseits, weil sie ihre große Liebe Leo nicht vergessen kann. Als dieser nach dem Krieg bei ihr anruft, entschließt sie sich, nach Wien zurückzukehren. Die Zerstörung entsetzt sie, aber viel größer ist der Schock, als sie erkennen muss, dass in den Köpfen der Menschen vieles beim Alten geblieben ist.
Lola stellt ein Kabarettprogramm auf die Beine, im Bemühen, die Menschen mit ihren kritischen Liedern zu erreichen.
Doch schon bald merkt sie, dass sie nichts ändern kann: “Wien bleibt Wien … bleiben wir schön beim Alten … ändern lässt sich gar nichts, und am allerletzten wir!”
Als nun gar noch Leo auf der Straße als “Saujud” beschimpft und anschließend von der Polizei mitgenommen wird, verliert sie endgültig die Hoffnung.
Die Lola Blau, die zu Beginn so voller Schwung und Lebensfreude war, ist am Ende enttäuscht und resigniert. So sieht das Publikum zu Beginn der Aufführung und in der Schlussszene eine sehr alte, verbitterte Lola Blau (Christel Anni Lange als Statistin) neben der jüngeren “Version”.
Der Stendaler Inszenierung haftet nichts Provinzielles an. Sie könnte auf jeder Großstadtbühne im deutschsprachigen Raum bestehen und für volle Häuser sorgen. (Stendaler Volksstimme, 18.10.2010)
Georg Kreisler schreibt als Untertitel unter sein “Heute Abend: Lola Blau” Musical für eine Schauspielerin. Wahrscheinlich wollte er Mut machen, denn für das Musical muss ein Darstellerin nach Ansicht der Experten eigentlich singen, tanzen und schauspielern können.
Claudia Lüftenegger aus dem Ensemble des TdA beherrscht alle drei Spielarten: Sie hat Schauspiel von der Pike auf gelernt und studiert, singen kann sie und dass sie tanzen beherrscht, hat sie in zurückliegenden Inszenierungen auch schon bewiesen.
So wurde der Premierenabend mit Georg Kreislers Musical in der Inszenierung von Manfred Ohnoutka zum Triumph für sie. Und mit gutem Recht ließ sie sich am Ende des Abends von ihrem Publikum feiern. Sie hat der Gestalt der jüdischen Schauspielerin Lola Blau pralllebendige Gestalt gegeben. Man feierte, fieberte, trauerte stets und in jeder Szene mit ihr. Sie, die im Hitler-besetzten Österreich kein Engagement mehr erhält als Jüdin, sich in der Schweiz recht und schlecht durchschlägt bis zu ihrer Ausweisung, in Hollywood schließlich zum gefeierten Gesangs- und Sexstar aufblüht aber vereinsamt, muss im Nachkriegswien erleben, dass hier noch immer manches im Argen liegt und sie auch im Kabarett nicht viel ändern kann.
Claudia Lüftenegger tanzt am Anfang vergnügt durch die Szene, sie freut sich über ihr erstes Engagement. Ein Anruf ihres Freundes und ein Telegramm die Absage “umständehalber” aus Linz verändern schlagartig die Situation. Nachdenkliche Traurigkeit macht sich bei ihr breit. Dann wieder erlebt man sie auf dem Flügel, frivol ein Tingel-Tangel-Liedchen trällernd. Wie sie auf der Überfahrt in die USA von ihren Passagieren im Zwischendeck augenzwinkernd das “Mädele” besingt, ihre Mitreisenden damit aufmunternd, ist Schauspiel- und Gesangskunst in einem.
Auch im Flitterrahmen als Grandlady besteht sie. Dann sitzt sie vor uns als alleingelassene, alkoholsüchtige Jammerfigur noch im Flimmerkleid. Das Kriegsende ist da. Wien ruft wieder. Höhepunkt hier ihr “Vorspiel vor dem Herrn Direktor”. Sie wird innerhalb einer Auftrittsfolge zu vier bis fünf Charakteren in einer Person. Beißende Satire im Kabarett und Verzweiflung über ihr Nichtstunkönnen.
Das alles verwirklicht Claudia Lüftenegger und schenkt ihren Besuchern damit einen Musicalabend, in dem Heiterkeit und nachdenkliches, Geschichtsträchtiges in der Gestaltungskunst einer jungen Frau zusammenfinden, kongenial am Flügel von Sebastian Undisz begleitet.
Es stimmte alles! Danke! (Altmark Zeitung, 18.10.2010)