Premiere: 18.02.2011
Besetzung
| Inszenierung | Sabine Kuhnert |
| Bühne und Kostüme | Christof von Büren |
| Dramaturgie | Antonia Holle |
| Vater | Mathias Kusche |
Alexanders Vater ist stocksauer: Da kommt er extra in die Klasse seines Sohnes, um ihm das vergessene Sportzeug zu bringen, und der versteckt sich vor ihm. Dabei ist er doch ein guter Vater, der sogar einen Geschäftstermin verpasst, nur um Alexander seinen Krempel hinterher zu schleppen. Zugegeben, er hat den Geburtstag seines Sohnes vergessen, aber kann das nicht jedem mal passieren? Wie soll er den Sohn erziehen, sein bester Kumpel sein, Zeit für die Mutter haben – wenn er gleichzeitig das nötige Kleingeld heranschaffen muss, um dem Sohn Markenklamotten und Klassenreisen zu ermöglichen? Die Schüler müssen doch wissen, unter welchem Druck er steht, die sitzen ja im selben Boot: „Ihr seid doch auch nicht bloß zum Spaß hier, ihr müsst doch auch schon ranklotzen, damit euch die kleinen Chinesen und Inder nicht vom Arbeitsmarkt fegen, so ’ne Schule ist doch schon lange kein Spielplatz mehr.“
Das Stück eröffnet die Perspektive auf die Nöte eines Vaters, der sich unter dem Druck, in Familie und Beruf gleichermaßen Leistung zu bringen, zunehmend von seinem Kind entfremdet. Es lässt die Frage, was denn nun einen guten Vater ausmache, als spannenden Diskussionsstoff im Klassenraum zurück.
TERMINE IN DER SCHULE KÖNNEN UNTER 03931 – 635 721 GEBUCHT WERDEN.
Es werden Nachgespräche angeboten.
Das Theater der Altmark hat eine Serie von “Klassenzimmerstücken” auch in der jetzigen Spielzeit fortgesetzt. In der Regie von Sabine Kuhnert spielte Mathias Kusche das Stück “Ich bin ein guter Vater” von Jörg Menke-Peitzmeyer in der Comenius-Ganztagssekundarschule. Die Premiere am 18. Februar vor einer 7. Klasse verlief erwartungsgemäß spannungsgeladen, abwechslungsreich und themengeladen.
Worum geht es beim Spiel, das so direkt auf die Schüler einwirkt? Da kommt ein aufgeregter Vater in die Klasse gestürmt, um seinem Sohn Alexander das Sportzeug nachzutragen, das dieser vergessen hat, mitzunehmen. Doch der ist nicht da, versteckt sich vor ihm? die befragte Klasse ist natürlich ratlos, oder will sie Alexander schützen? Das Spiel wird so zeitweilig zum hautnah nachdenkenswerten Ereignis.
Der gestresste Vater glaubt sogar, dass es Alexander fertigbringen würde, vom Dach zu springen, nur um ihn aufzuregen. Er eilt über einen Klassenzimmertisch ans Fenster, reißt es auf und schreit hinaus: “Spring doch, wenn Du Dich traust!” Verblüffung im Raum über so viel Schauspielerei, die doch irgendwie nahe geht. Kennt man derlei Situation nicht auch selbst zumindest annähernd? Da vergisst der Vater den Geburtstag des eigenen Sohns über zu viel Arbeitsterminen. Er arbeitet schließlich, um die Familie ausreichend zu versorgen 185 Kilometer weit entfernt. Wird so zum Wochenendvater. Aber ist er nicht mindestens sechs oder sieben Mal gefordert? Als Vater, Kumpel, Ehemann, Ernährer, Freund, Sohn eines Vaters und möchte mitunter einfach mal allein mit sich sein! Ausbrüche, Drohungen an die Klasse wechseln einander ab. Mathias Kusche spielt alle Situationen glaubhaft durch, kommt ins Grübeln über die eigene Kindheit und seine Enttäuschungen. Meint immer wieder, ein guter Vater zu sein. Und geht mit dem Hinweis an die Kinder-Zuschauer: “Wenn ihr Alexander trefft, sagt ihm, dass ich zu Hause auf ihn warte.” Vergessen zweifelsohne wichtigen Arbeitstermine. Wer ist denn nun ein guter Vater? Die Beteiligten hatten unter sich anschließend die Gelegenheit, diese Frage mit einem Theaterpädagogen zu beantworten. (Altmark Zeitung)