Premiere: 27.05.2010 / 19:30 Uhr
Besetzung
| Inszenierung | Stephan Thiel |
| Bühnenbild und Kostüme | Christof von Büren |
| Dramaturgie | Sascha Löschner |
| mit | Rike Schubert und David Prosenc |
Mach mir den KING KONG! Da freut man sich auf den gemütlichen Fernsehabend, aber irgendwie verselbstständigt sich die Geschichte. „Ach, mach mir doch den Affen, das fände ich sooo süß!“ Was als Fernsehabend begann, geht in eine ungewöhnliche Paartherapie über und klärt nebenbei auf über Weltwirtschaftskrise, Bankenskandal, Stockholm Syndrom sowie Angst als Futter für die Traumfabrik. Der Mythos lebt. Sexuelles Begehren und animalische Gewalt treffen sich mit Unschuld, Glücksversprechen und der Sehnsucht nach der authentischen Beziehung. Wer hat hier wen in der Hand? Unterhaltsames Objekttheater für die ganz Großen.
Man stelle sich vor: King Kong und die weiße Frau sind ein Paar. Happy End statt Abschuss vom Wolkenkratzer. Jetzt herrscht Beziehungskrise und die beiden wählen eine spezielle Therapie. (…)
Regisseur Stephan Thiel hat gemeinsam mit den Schauspielern Rike Schubert und David Prosenc ein originelles “Puppenspiel” für Erwachsene entwickelt.
Zigmal wurde die abstruse Liebesgeschichte zwischen Monster-Gorilla und Blondchen auf die Kinoleinwand gebracht, darunter auch Ulk-Versionen. Der Originalfilm von 1933 ist ein Klassiker mit für damalige Möglichkeiten fantastischen Spezialeffekten. Im Stendaler Stück wollen Affe und Frau ihre Krise überwinden, indem sie sich ihrer abenteuerlichen Geschichte erinnern. Unter dem Motto “Mach’ mir den King Kong!” liefern Rike Schubert und David Prosenc Kino im Theater. Sie spielen den Film, lassen die Filmutopie mit Mitteln des Theaters aufleben. Die Fantasie des Publikums ist auf amüsante Weise gefordert.
Auf der Bühne zündet ein Feuerwerk an Ideen. Eben noch schubbelt sich der Schauspieler in Affenmanier “den Pelz”, um im nächsten Moment mit dem Gebrüll des “goldenen Löwen” vom Metro-Goldwyn-Mayer-Hollywood-Studio den Beginn des Films einzuläuten. Hinter einem Vorhang verschafft das Spiel mit Licht und Schatten Filmflimmer-Illusion. Immer wieder kommt das Spiel vor den Vorhang zurück. Das Publikum kommt kaum zu Atem, eine “Filmeinstellung” jagt die nächste.
Neben den beiden Menschen kommen diverse Utensilien zum Spiel-Einsatz. Dass eine Barbie zuweilen den Part der Frau übernimmt, ist noch naheliegend. Doch wenn Korkenzieher und Damenschuh zwei Herren geben, ist das ungewöhnlich. Eine Kurbel an einer altertümlichen Kaffeemaschine geht hinter dem Vorhang ohne weiteres als drehende Kamera durch.
Es gelingt Schubert und Prosenc, Schauspiel und Puppenspiel zu verknüpfen. Blitzschnell wechseln sie Spielart und Tempi: Bereits in “Tom Sawyers Abenteuer” glänzten sie mit diesem Können. Ein Höhepunkt ihres Puppenspiels im “King Kong” ist der Tanz des Häuptlings Kawumba (dargestellt durch einen himmelblauen Staubwedel). Der Song dazu “Gib mir Bass, Bass” setzt dem Auftritt die Krone auf. Einfach herrlich komisch!
Auch mit ihrem Schauspiel weiß das Duo auf der Bühne zu überzeugen. So amüsiert etwa Schuberts übertrieben-theatralisch vorgetragener Schattenspiel-Monolog “Ich war jung und brauchte das Geld”. Prosenc lässt trotz schweißtreibender Affenmaske den nachdenklichen King Kong erkennen. (“Ich wollte zurück. Da wo meine Höhle war, da stehen jetzt Ferienhäuser.”) Wie auch der Film bereits zu seiner Zeit Mehrdeutigkeiten zuließ, so enthält der witzige Stendaler Text Anspielungen etwa auf “die Krise, die fiese” oder auf die Ölpest ("böse, böse Menschen).
Zu guter Letzt: Zu einer Liebesgeschichte gehört Sex. Neckische Idee, den Affen in einer Szene zum plüschigen Puppen-Äffchen Monchichi zu verkleiden und entschlossen zu Werke gehen zu lassen. Die “schönste Liebesszene der Welt” (Affe entblättert Frau) wird ein wenig frivol weitergetrieben.
Dieser Stendaler “King Kong” ist ungewöhnlich, überraschend, verblüffend. Es macht Spaß dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Wenn auch die Grenze zum Klamauk nicht fern ist, bleibt das Fazit: Amüsanter als der King Kong im Kino! (Stendaler Volksstimme, 29.05.2010)