Premiere: 27.8.2011
Besetzung
| Inszenierung | Dirk Löschner |
| Bühne und Kostüme | Christopher Melching |
| Dramaturgie | Sascha Löschner |
| Macbeth | André Vetters |
| Lady Macbeth | Claudia Lüftenegger |
| Duncan, Pförtner, Mörder 1 | Bernd Marquardt |
| Banquo, Lord | Mathias Kusche |
| Macduff, Soldat 1, Vater Ubu, Soldat | Florian Kleine |
| Rosse, Diener 4, Soldat 3 | Jan Kittmann |
| Lenox, junger Bauer, Mörder 2, Stimme | Alexander Frank Zieglarski |
| Malcom | Noah Fischer |
| Donalbain | Jakob Tyllack/ David Tyllack |
| Fleance, Bauernjunge | Bruno Cosmar/ David Tyllack |
| Hexe 1, Frau | Angelika Hofstetter |
| Hexe 2, Mutter Ubu, Lady Macduff | Claudia Tost |
| Hexe 3, Frau | Susanne Kreckel |
| Musikus | Gero Wiest |
| Angus | Tobias Quander |
| Ein Lord | Hans-Jürgen Zieglarski |
| Diener 1-3 | Wolfgang Schröder, Taylor Giese, Tobias Quander |
| Bauern, Soldaten, Lords | Hans-Jürgen Zieglarski, Tobias Quander, Wolfgang Schröder, Taylor Giese, Siegfried Baklarz |
29.06.11, 20:00 Arendsee 30.06.11, 20:00 Arendsee 05.07.11, 20:00 Arendsee 06.07.11, 20:00 Arendsee 07.07.11, 20:00 Arendsee 08.07.11, 20:00 Arendsee 27.08.11, 19:30 Großes Haus 03.09.11, 19:30 Großes Haus 30.09.11, 20:00 Salzwedel 12.10.11, 19:00 Großes Haus 12.10.11, 19:30 Großes Haus 26.11.11, 19:30 Großes Haus 28.11.11, 10:00 Großes Haus 14.03.12, 19:30 Bad Driberg 29.06.12, 20:00 Arendsee Karten 30.06.12, 17:00 Arendsee Karten 01.07.12, 20:00 Arendsee Karten 05.07.12, 20:00 Arendsee Karten 06.07.12, 20:00 Arendsee Karten 07.07.12, 20:00 Arendsee Karten 08.07.12, 20:00 Arendsee Karten
Macbeth ist ein treuer Vasall seines Königs. Bis er der Prophezeiung dreier Hexen traut und zum Mörder wird, um dem Schicksal nachzuhelfen. Angestachelt von seiner ehrgeizigen Frau und von eigenem Machtrausch übermannt, tötet er erst den König und anschließend seine einstigen Verbündeten, um selbst über allen zu stehen.
In seiner Welt aus Gewalt, Machtkampf und Intrigen vertraut Macbeth einzig auf das Schwert. Die blutige Herrschaft zementiert er durch Angst – der am Ende auch er erliegen muss.
Das Drama ist eines der bekanntesten Werke Shakespeares.
In der Übersetzung Heiner Müllers wird daraus eine Parabel über die Machtgier des Menschen, über Angst als Motor und Triebkraft menschlicher Bestrebungen, über die Frage nach Vorherbestimmung des Schicksals bis hin zu Sünde und Schuld als ewigem Menschheitsthema
DAUER: 2 Std. 30 min
… Es ist eine einzige Todesmelodie.[…] Hier, in Dirk Löschners Inszenierung, […] spielt ein abseits sitzender, einsamer Pianist […] (Musik Gero Wiest) zum unterhaltsamen Untergang, der sich auf dem Weg zu neuen Aufgängen dünkt. […] Die Grausamkeit der Macht verlangt nach Schönheit als Refugium, die Begleitmusik zum großen Morden muss heiter klingen. […]
Die Bühne von Christopher Melching: ein Highway ins Nichts, ein Zeitstrahl, schiefe Ebene, auf der der Mensch nicht gerade bleiben kann. […] Eine Transitstation plötzlich verstorbener Hoffnungen. […]
So konzentriert und bildmächtig, so lapidar und dämonisch zugleich sah man die Macht- als Angstfrage in ‚Macbeth’ noch nicht herauspräpariert. Stark auch das Ensemble: Claudia Lüftenegger als Lady Macbeth, Bernd Marquardt als Ducan, Mathias Kusche als Lord Banquo. […] Kühle Beobachtung trifft überhitzte Handlung, nüchterne Analyse verbindet sich mit mythischem Schicksalssog. Alles zugleich und jedes Partikel einzeln und klar. Man kann kaum mehr als diese ebenso sinnlich anschaubaren wie denknotwendigen Paradoxe von einer ‚Macbeth’-Inszenierung erwarten.
(Theater der Zeit, Oktober 2011)
‘Angstfrei’ ist der Titel der neuen Spielzeit des Theaters der Altmark. Am Sonnabend ist sie mit Macbeth im Großen Haus eröffnet worden. Stehende Ovationen und frenetischer Applaus für eine atemberaubende Inszenierung. Nicht für einen Moment wurden die Zuschauer von der Angel gelassen. Stattdessen erlebten sie in einem rasanten Tempo ein Wechselbad der Gefühle: mal belustigt, mal mit Abscheu erfüllt, stets gespannt auf das, was kommt. Es wird oft gesagt, dass Shakespeare immer ‘funktioniert’, denn seine Stücke sind zeitlos und universell verständlich. Natürlich gibt es gewisse Voraussetzungen: Die Schauspieler und die Ausstattung müssen überzeugen. Beide Bedingungen wurden in Stendal erfüllt. Die von Christopher Melching entworfene Bühne ist so einfach wie genial. Wenn auch eine echte Herausforderung für die Agierenden! Auf einer nach hinten steil ansteigenden Fläche spielt sich alles ab. Ganz weit oben – in schwer zu erreichender Höhe: der begehrte Thron. Ganz besondere Erwähnung verdient natürlich das Ehepaar Macbeth, beziehungsweise seine Darsteller. Immerhin steht und fällt speziell mit diesen beiden eine Macbeth-Inszenierung. André Vetters alias Macbeth leistet schier Unglaubliches. Fast ununterbrochen auf der Bühne präsent, hält er das Publikum fest in seinem Bann, während er sich von einem sehr ehrgeizigen Mann nach dem Mord an seinem König zu einem wahren Unmenschen wandelt. Lady Macbeth ist voller Leidenschaft! Und sie versteht es, ihren Charme und ihren klaren Verstand geschickt einzusetzen. Zunächst. Später ist sie gebrochen und verzweifelt: Der von ihr geplante Mord am König tötet am Ende auch sie. Hier haben wir eine umgekehrte Entwicklung: Die ‘böse’ Lady erweckt zum Schluss unser Mitgefühl. (Volksstimme, 29.08.2011)
…das eigentliche Theater der Angst (…) findet vielmehr auf der gewohnten Bühne statt und könnte sich auf jeder größeren, hauptstädtischen etwa, sehen lassen. Dirk Löschner hat Shakespeares »Macbeth« inszeniert als das, was es ist: als Drama der Angst. Die kongenial reduktionistische Bühne Christopher Melchings ist nichts als ein highway to hell, er scheint geradewegs in den Himmel zu führen – nach ganz oben eben –, aber wir wissen es besser.
Die mörderischen Diktatoren sind wahrscheinlich die angstbesessensten Menschen überhaupt. Warum ermordete Stalin seine Weggefährten? Warum ermordet Macbeth seinen besten Freund und Verbündeten? Einfacher und beängstigender kann man es nicht sagen als der neue König von Schottland in Heiner Müllers atemberaubender Übertragung: »Er war zu lange neben mir, als dass er unter mir sein könnte!« So simpel, so blutig.
André Vetters wird an Leib und Stimme zu einer einzigen großartigen Marionette der Angst – diese dunkle Göttin zieht alle seine Fäden. Absolute Macht macht absolut einsam. Und in jedem Augenblick dieses langen, kurzen Abends meint man, Heiner Müller zu hören: »Wir sind bei uns nicht angekommen, solange Shakespeare unsere Stücke schreibt.« Bei uns. Wo genau wäre das? Es gibt viele Definitionen dieser anderen, besseren Welt, ihr untrüglichstes Merkmal wäre wohl die Angstfreiheit. (Neues Deutschland, 09.09.2011)
…Christopher Melching hat dafür ein Bühnenbild geschaffen, das die Handlung bruch- und nahtlos ablaufen lässt.[…]Eine gewaltige Bühnenschräge nach vorn über die Rampe hinaus, nach hinten schmal überhöht wie ein Festungsturm, stellt die Schauspieler vor die Aufgabe, nur durch ihr Darstellungsvermögen zu überzeugen. Das gelingt beispielhaft.[…]
Aus Macbeth wird durch Vetters Darstellung ein halb getriebener Unmensch. Bestärkt durch neuerliche Hexensprüche glaubt er unangreifbar zu sein. Und steigert sich zu einem fast artistischen Freudentaumel (Sonderapplaus!), bevor ihn das Ende, oben auf erhöhtem Sitz kauernd, erreicht.[…]
Claudia Lüftenegger gibt ihrer Lady Macbeth weibliche Verführungskunst, absolute Willenstärke und einen ebenso absoluten Wahnsinnsausbruch vor ihrem Ende. Eindrucksvolle Lichtregie unterstützt die jeweiligen Szenen.[…]
Fazit: Ein Auftakt der TdA-Saison 2011/12 nach Maß, Beifall überschüttet und viel versprechend!
(Altmark Zeitung, 29.08.2011)