Komödie von Hermes Schmid

Zwei Frauen treffen in einem Wartezimmer aufeinander. Sie kommen ins Gespräch und befinden sich plötzlich mitten in einem reißenden Strudel aus Intrige, Leidenschaften und Mordgeständnissen. Schließlich kann niemand mehr unterscheiden zwischen Wahrheit und Lüge, das Opfer wird zum Täter, der Täter zum Unschuldslamm, und eine unerwartete Wendung jagt die nächste, bis zum Finale, wenn sich die Verkettung von Fiktion und Realität auf überraschende Weise löst.

Pressestimme: Das groteske Psycho-Spiel zweier Königinnen der Lügen

Es ist Männern ein Mysterium, was Frauen in ihren Handtäschchen mit sich herumschleppen. Ein blutverschmiertes Messer und ein abgeschnittener Penis dürften allerdings die Ausnahme sein. Im Stück “Mona & Lisa oder Rache ist weiblich”, das am vergangenen Wochenende seine Uraufführung feierten, spielten beiden Gegenstände eine Rolle.
Gründe, angesichts furchtbarer Schrecknisse zu erschauern, gibt es bei “Mona & Lisa” jedoch nicht. Im Gegenteil: Zu erleben ist ein netter Theaterabend – kurz und kurzweilig. (…) Das Publikum ist vom ersten Ton an mitgenommen in einen facettenreichen Dialog zweier bemerkenswerter Damen.
So könnte ein schlechter Männerwitz beginnen: Treffen sich zwei Frauen im Wartezimmer ihrer Frauenärztin… Genau hier treffen Mona und Lisa im Stück aufeinander. Ausstatter Christof von Büren hat diesen typischen Raum nachgestellt – steril, mit künstlich hergestellter Gemütlichkeit (Topfpflanze), OP-grünen Türen. Lediglich zwei zentral angebrachte große Porträtfotografien zweier Frauen mit vertauschter Mund- und Nasenpartie fallen aus dem Rahmen.
Scheinbar kennen sich beide nicht. Doch es ist alles anders, verwoben, verschroben, verstrickt, überraschend, skurril. Männer sind im Wartezimmer einer Frauenärztin naturgemäß abwesend, aber immerhin Gegenstand des Dialogs. Einer musste gar dran glauben, denn Mona gesteht den Gattenmord. Details: “Ich hatte gestern extra im Anatomielexikon nachgelesen, wo ich zustechen muss, damit er gleich tot ist… Naja und in der begreiflichen Aufregung habe ich dann natürlich doch eine Rippe getroffen und ich musste dreimal zustechen, bis er endlich tot war.” Die hysterische Lisa wähnt sich “eingesperrt mit einer psychopathischen Mörderin”, um Augenblicke später selbst in Tötungsabsicht auf ihre Kontrahentin loszugehen.
Claudia Lüftenegger (Mona) und Alexa Wilzek (Lisa) geben ein gleichwertig stark spielendes Duo auf der Bühne ab. Sie zicken sich an, traktieren einander, gehen laut aufeinander los, um sich dann leise zu verschwestern. Die Schauspielerinnen vollziehen blitzschnelle Machtwechsel, verwandeln sich von der Furie zum Opfer, von der Zicke zur Verletzten.
Immer neue unglaubliche Wendungen tischen sie dem Publikum auf. Groteske reiht sich an Groteske. (Auch die Frauenärztin soll abgemurkst nebenan liegen.) Psychospiele werden ausgereizt bis zum letzten. Doch keiner im Publikum kann wirklich annehmen, dass Morde geschahen und besagtes Mannes-“Teil” tatsächlich im Täschchen ist. Keiner nimmt den beiden ab, dass sie einander killen wollen. Also so herrlich absurd. (…)
Der Clou kommt am Ende des Stückes, als klar wird, wo sich die beiden Frauen real befinden. Ach die Fotografien kommen wieder ins “rechte Lot”. Alles war nur ein Spiel zweier durchgeknallter Königinnen der Lügen “in schwieriger Lebensphase”, die dem Publikum noch ein verrücktes Lachen mit nach Hause geben.
Tiefsinnigen Humor liefert “Mona & Lisa oder Rache ist weiblich” nicht. Es ist eine nette Komödie. Leichte Kost. Frauen sind und bleiben geheimnisvoll wie das Lächeln der Mona Lisa. Da können Männer noch so viele lustige Stücke fabrizieren und sich ohne Aussicht auf Antwort fragen: Wie tickt die Frau, welche Verästelungen in ihren Denkmechanismen lässt sie so und nicht anders handeln? Sie bleibt ein Mysterium, genau wie die Inhalte ihres Handtäschchens. (Stendaler Volksstimme, 17.05.2010)