Zeitstück von Dennis Kelly

Zwei junge Menschen – eine Frau und ein Mann – sind auf engstem Raum aufeinander angewiesen. Wie verhalten sie sich, wenn Vertrauen verloren geht, wenn Abhängigkeit entsteht und Machtbewusstsein umschlägt in Machtmissbrauch? Es entwickelt sich ein subtiler Beziehungskonflikt auf dem schmalen Grat zwischen verbaler Bedrohung und tatsächlicher Gewalt. Dabei eint beide jedoch eines: eine große Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe.

Der englische Autor Dennis Kelly, geboren 1970, wurde von “Theater heute” bereits zweimal zum besten ausländischen Autor des Jahres gekürt. Seine Stücke behandeln schonungslos soziale Realitäten unserer Zeit. Zum 10. Jahrestag des 11. September reflektiert das Tda mit »Nach dem Ende« die Verwandlung der Demokratie in eine Diktatur der Angst.

Die Produktion wird im Rahmen des ANGST-FESTIVALS 2011 vom Fond Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes, der Stiftung Rechtsstaat Sachsen-Anhalt e. V. und der Landeszentrale für politische Bildung unterstützt.

Dauer: 1 Std. 25 min.

Pressestimme: Gewalt, vor der man gern die Augen schließt

…Theater steht nicht nur für ‘Frieden, Freude, Eierkuchen’, sondern muss sich auch Themen widmen, die schwer auszuhalten sind. Regisseurin Julia Heinrichs stellt sich einem dieser Themen und schreckt dabei auch vor schockierend-drastischen Szenen nicht zurück. Eine Beinah-Kastration und eine Vergewaltigung werden nicht ‘angedeutet’, sondern realistisch dargestellt. Und nur so ist das Gesamtbild stimmig. Was dort auf der Bühne passiert, kann nicht verschönert werden, indem man einige Szenen lieber nicht zeigt.
Sören Ergang gibt seinen Mark zunächst recht sympathisch. […] Ganz allmählich zeigt er sich von seiner anderen Seite. Seine Liebe ist ein Besitzenwollen, diktatorisches Benehmen und rohe Gewalt zum ‘Schutz’ des Anderen sind völlig legitime Mittel. Und doch: Immer wieder kommt der Außenseiter Mark zum Vorschein, der das alles nicht will und um Hilfe ruft. Ergang schafft diesen Spagat grandios.
Frederike Duggen hat ihre Louise als das perfekte Gegenstück angelegt. Für sie geht es im Grunde nur darum, dass sie überleben muss. Sie ist mit einem Mann auf engstem Raum gefangen, der ihr körperliche und geistige Gewalt antut. Duggen wandelt sich von einer ‘normalen’ jungen Frau in ein traumatisiertes Wesen, das nach seiner Rettung gebrochen ist. Die Welt, wie sie sie gewöhnt ist, geht für Louise erst dann unter (…) Beide Schauspieler geben ganz große Schauspielkunst zum Besten. Und trotz der erwähnten realistischen Drastik hat Regisseurin Heinrichs Feingefühl bewiesen, indem sie die Zwischentöne herausgearbeitet hat. Ein nachhaltig beeindruckendes Theaterstück ist dabei herausgekommen. Gewisse Szenen muss man ‘aushalten’ können, aber mal ehrlich: Viele Filme zeigen viel Brutaleres. (Volksstimme)

Pressestimme: Gebunkert und verkommen

[…] Mit ihrem intensiven Spiel haben Frederike Duggen als Louise und Sören Ergang als Mark für ständig steigende Spannung gesorgt, die zum Schluss fast unerträglich war. Regisseurin Julia Heinrichs ließ alle Gefühle realistisch aussspielen. So wird das Publikum Zeuge des Psychoterrors, den Mark auf Louise ausübt. […]
Die Zuschauer spenden begeistert Applaus für eine tolle Inszenierung und hervorragende Schauspieler.
(MAZ, 12.09.11)