Premiere: 01.04.2011 / 19:30 Uhr
Besetzung
| Inszenierung | Jonas Hien |
| Bühne und Kostüme | Christopher Melching |
| Dramaturgie | Sascha Löschner/Antonia Holle |
| Antonia, die Ehefrau | Claudia Lüftenegger |
| Bernd, der Ehemann | Michel Haebler |
10.09.11, 19:30 Rangfoyer 01.10.11, 19:30 Rangfoyer 03.10.11, 18:00 Rangfoyer 18.12.11, 18:00 Rangfoyer 19.12.11, 18:00 Rangfoyer 27.12.11, 19:30 Rangfoyer 28.12.11, 19:30 Rangfoyer
Die Achtziger kommen! Das TdA macht jede Mode mit. Offene Zweierbeziehung kam 1990 am TdA zu spät. Jetzt sind wir unserer Zeit voraus und bringen eines der meistgespielten Stücke der achtziger Jahre wieder heraus – was hat sich getan seit dem Aufbruch des besseren Teils der Menschheit in die Emanzipation? Viel! Die Frau hat sich als der tüchtigere Mann erwiesen: leistungsorientierter, teamfähiger, multitaskingfähig. Und der Mann? Ach, der Mann …
Erleben Sie die Offene Zweierbeziehung mit ganz neuen Augen: denn die Rollen haben sich 25 Jahre nach der deutschen Erstaufführung komplett vertauscht …
Im Original erzählt Protagonistin Antonia über ihren täglichen Kampf mit überschüssigem Hüftspeck, der Hausarbeit und der Tatsache, dass ihr Ehemann ein notorischer Fremdgeher ist, der jegliches sexuelles Interesse an der eigenen Ehefrau verloren hat. Mit schöner Regelmäßigkeit will sie sich umbringen, doch ihr Ehemann weiß das routiniert zu verhindern. Ihre Selbstmordversuche nerven ihn und deshalb will er sie aus dem seelischen Tief herausholen. Tatsächlich kann er sie irgendwann zu einer offenen Zweierbeziehung überreden. Sie soll ebenfalls ein freizügiges Sexualleben ausprobieren. Das ist leichter gesagt als getan. Doch eines Tages gibt es wirklich einen jungen Mann in ihrem Leben. Damit hat der Ehemann dann doch nicht gerechnet …
Dieses Thema ist typisch für die 1980er Jahre. Und doch irgendwie auch bis zum heutigen Tag aktuell. Regisseur Jonas Hien fand es jedoch nicht aktuell genug. Immerhin habe sich – laut Programmheft – 25 Jahre nach der deutschen Erstaufführung “die Frau als der tüchtigere Mann erwiesen: leistungsorientierter, teamfähiger, multitastinkfähig”.
Also inszenierte Hien einen höchst amüsanten Rollentausch, gespickt mit Seitenhieben auf das neue Geschlechterbild.
Auf der Bühne des Theaters der Altmark ist Bernd Schmidt, geborener Schneider, derjenige, der unter seiner untreuen Ehefrau Antonia leidet. Gespielt wird dieser Jogginghosen tragende und Staubwedel schwingende Hausmann von Michel Haebler. Aggressiv, hysterisch und laut in einem Moment, im nächsten fürchterlich Mitleid erregend und weinerlich.
Schauspielerin Claudia Lüftenegger mimt die nymphomanische Gattin und schlüpft für einige Szenen auch schon mal in die Rolle des halbwüchsigen Sohnes. Die beiden Schauspieler des Stendaler Ensembles bieten ein höchst sehenswertes und temporeiches Zusammenspiel.
Das Publikum kommt aus dem Lachen kaum heraus, denn ein Wortwitz reiht sich an den anderen. Die Bühne wird häufig verlassen, körperlich und verbal. Motto: “Was soll’s? Wir sind auf einer Bühne, da ist alles möglich!” Auch das sorgt für viel Heiterkeit im Publikum.
Christopher Melching hat mit drei Stellwänden ein Bühnenbild geschaffen, das einerseits die Enge des häuslichen Daseins vor Augen hält und andererseits den Schauspielern viel Platz zum Agieren lässt. “Offene Zweierbeziehung” (mit zeitgemäß vertauschten Rollen) ist anderthalb Stunden köstliche Unterhaltung (Stendaler Volksstimme)
4. Pressestimme: Spannende, unterhaltsame Inszenierung des Theaters der Altmark
Merkwürdig: Wenn ein Regisseur von einem halbwegs klassischen Autor in der Inszenierung eines seiner Werke die Handlung in die Gegenwart holt, heißt es oft: “Lasst dem Autor das Seine. Wir können selbst denken und urteilen”. Nun hat Regisseur Jonas Hien mit Claudia Lüftenegger und Michel Haebler Dario Fo/Franca Rames “Offene Zweierbeziehung” aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts in unsere unmittelbare Gegenwart geholt, dabei zwar den Text weitgehend belassen, aber die Rollen wegen aktueller Situation vertauscht, und siehe da: man amüsiert sich an immer noch vorhandenen Konfliktsituationen, lässt die Geschichte so wirken, wie sie dort erzählt wird. (…) Schauspielerische Leistung und Anliegen der Inszenierung überzeugen in dieser Form. Beifall! (…)
Die Stendaler Inszenierung beginnt auf der kleinen Rangfoyerbühne nochmals um einen “Kasten” verengt, in dem die beiden Akteure kaum Platz finden (Ausstattung: Christopher Melching). Eine lederbekleidete junge Frau lümmelt auf einem Stuhl. Ihr Ehemann in Haushosen und weißem Überhemd bekleidet, müht sich, die Wohnung Staub saugend sauber zu halten. Streit ist vorprogrammiert. Er jammert heulend im Bad, sie verlustiert sich drüber.
Absprachen auf “offene Zweierbeziehung” helfen ihm kaum. Er versucht sich aus dem Fenster zu stürzen. Sie preist ihn vor dem Publikum an. – Eine Extra Schauspielnummer der Beiden in der Inszenierung! – Er wird aber nur vom “älteren Semester” umschwärmt, bis er eine junge attraktive Assistenzärztin trifft. Alles erzählt er natürlich seiner Frau. Nun ist das Staunen, ja der Frust, auf ihrer Seite angekommen. In “sichtbare Fettpolsterungen” der Hüfte, eingewickelt von ihm, fällst sie in Schreikrämpfen zu Boden, direkt vor und zwischen dem Publikum und will sich durch Fönkurzschluss im Bad umbringen. Jetzt will, muss er trösten, sie beruhigen: Alles erfunden, die ganze Geschichte mit der Jungen. Gegenseitiger Frieden. Da klingelt es an der Tür.
Lassen Sie sich das Ende nicht entgehen. Sehen Sie sich die “Offene Zweierbeziehung” selbst an. Die schauspielerischen Leistungen beider Ensemblemitglieder erhielten zur Premiere lang anhaltenden, herzlichen und verdienten Applaus für ihre Sicht auf das immer noch aktuelle Thema. (Altmark Zeitung)