Klassenzimmerstück für Jugendliche ab 15 Jahre von John von Düffel

John von Düffel vermag fesselnde Geschichten zu erzählen. Deshalb übernehmen wir seine letzte Produktion für das TdA in die neue Spielzeit.
Ins Klassenzimmer kommt ein Herr von der Berufsberatung. Doch der Mann zieht seine Zuhörerschaft mit einer scheinbar ganz anderen Geschichte in seinen Bann: seiner Lebensgeschichte.
Die beginnt zunächst in Deutschland und führt ihn mit 12 Jahren nach Neapel, in die Heimat seines Vaters zurück, wo er mit 13 Jahren seine erste Leiche sieht. Er erzählt von sich als einem Heranwachsenden in einem ihm fremden Land, der sich fragt: „Wo komme ich her, wo gehöre ich hin?“ Und er erzählt von seinem ersten Traumjob, bei dem er sich nicht die Hände schmutzig machte.

Pressestimme: Das große Waswillich

(nachtkritik.de von Ute Grundmann)
Ein Berufsberater kommt, im Nadelstreifenanzug und mit Aktenköfferchen, zu Schülern, die in einem Jahr über ihren “Beruf fürs Leben” entscheiden sollen. Broschüren hat er dabei und einen Witz über die Suche nach dem Traumjob auf den Lippen. … Doch nach dem Scherz über die Berufswahl kommt der Berater zum Ernst seines Lebens, erzählt von seinem Job, der ihn gefunden hat und der für ihn zum Alptraum wurde. …
John von Düffel, von 1991 bis 1993 Dramaturg am Theater Stendal, schildert den Weg vom Traumjob zum Alptraum in einem dichten, atemlosen Monolog, der fast wie ein Gedicht geschrieben ist. Seine Assoziationen zu Neapel reichen vom jüngsten Müllskandal bis “Neapel sehen und sterben”, schnell variiert zu “heute sieht man, wie Neapel stirbt”. Die Parallelen zwischen von Düffels Mezzogiorno – keine Hoffnung, keine Industrie, kein Mittelstand, hohe Arbeitslosigkeit – und dem Osten Deutschlands ist offensichtlich, ohne dass er sie ausspricht. …
Seine Figur kreist um die immer wiederkehrenden Fragen “Wo komme ich her und wo gehöre ich hin, was will ich und was kann ich.” Fragen, die nicht nur der Berufsberater seinen jungen Klienten stellt. … Eva Lange hat diesen Monolog atmosphärisch dicht und schnörkellos inszeniert. David Proscenc ist der vermeintliche Berufsberater Carlos Destra: Kein Kinoheld mit Knarre, sondern ein schmaler, leiser, nachdenklicher Mensch, der sein Leben mit und nach der Camorra, seine Zweifel, seine Mitschuld am Tod eines Menschen, Revue passieren lässt.
Mal spricht er einen Schüler direkt an, setzt sich auf die Kante eines Schultisches, dann zieht er sich wieder hinter das Lehrerpult zurück. Zwei weiße Taschentücher präsentiert er mehr als dass er sie benutzt, wohl als Schutz vor Fingerabdrücken, und wie der Camorra-Boss trinkt er Kaffee aus der mitgebrachten Thermoskanne, aus Angst, vergiftet zu werden.