Schauspiel von Samuel Beckett Deutsch von Elmar Tophoven

Zwei französische Juden warten im von den Deutschen besetzten Frankreich auf einen Schleuser der Resistance, der sie in die italienische Zone schmuggeln soll. Das Stück spielt im Frühjahr 1943 auf einer trockenen, kalkigen Hochebene der Südalpen, der Schleuser heißt Godot. Estragon und Wladimir sind flüchtige Pariser Juden aus dem 11. Arrondissement. Moment mal! – Das soll „Warten auf Godot“ sein?
Wir dachten, alles über das Stück zu wissen – bis der sensationelle Einbruch des Konkreten in die kanonisierte Vieldeutigkeit dem alten Text eine neue Befragung abverlangt – und eine neue Haltung fordert.

Pressestimme: Warten auf den Schleuser

Die Aufführung überrascht, wie so oft in den unterschätzten Theatern der deutschen Provinz, durch schauspielerische Qualität und durch die leise Intelligenz, mit denen sie den Hinweis Temkines mehr nachspürt als aufdringlich mit den neuen Erkenntnissen zu trumpfen. Es ist sowieso unausweichlich, dass mit dem Buch eine neue Epoche der “Godot”-Interpretation beginnt. Und man kann nun mit allem Recht sagen, dass sie in Deutschland von Stendal ausgegangen ist.
Die Welt, 5. Dezember 2009

Pressestimme:Schleuser Godot

Temkines Rekontextualisierung lässt nunmehr eine neue Ernsthaftigkeit und Einfachheit in die Beckett-Deutung zurückkehren, und das kleine Theater der Altmark in Stendal beweist, dass darin ein großer Gewinn für die Bühne liegt. Chefdramaturg Sascha Löschner und Regisseur Hannes Hametner verzichten zwar auf jüdische Insignien, siedeln ihre Flucht- und Unterdrückungsgeschichte aber doch klar in den 1940ern an. (…) Die konzentrierte Inszenierung hebt ganz auf das neue Hören des Textes ab. Und sie findet überraschende Wendungen.
Theater heute, Februar 2010

Pressestimme:TdA-Inszenierung mit neuen Inhaltsgedanken

Diese Inszenierung trifft den Zuschauer. Hier vollzieht sich keine Clownswitzelei am Rande. Hier entsteht plötzlich im originalen Beckett-Text durch diszipliniert und aussagestark spielende Darsteller ein Theaterabend, der zum Nachdenken auffordert, Stellungnahme heischt und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ein blutvoll lebendiges Theaterereignis ist.
Altmark-Zeitung, 10. November 2009

Pressestimme: Die Neuinszenierung gibt dem Absurden eine Geschichte

Stendaler Inszenierung trifft den Kern der Aussage Becketts.
Die beiden rühren bis ins Mark, man spürt ihre Schmerzen, ihre Sehnsucht nach Rettung. Richter und Verch beherrschen perfekt ihr Spiel und die Dialogreihen in wechselnden Tempi.
Stendaler Volksstimme, 10. November 2009

Pressestimme: Mit Beckett an die Geschichte

…eine sehr klug ausgespielte Umsetzung der Argumentation Temkines, die dem Klassiker nach mehr als fünfzig Jahren Theatergeschichte wirklich eine neue Dimension eröffnet.
Neues Deutschland, 17. November 2009

Pressestimme: Zwei Juden im Ballsaal

Der Regisseur verbannte alle Godot-Folklore an die Wände des Ballsaals.
Ausgerechnet in Stendal, der Stadt des “Vaters der Archäologie” Johann Jakob Winkelmann, gelang es nun einem Regisseur, den Klassiker “Warten auf Godot” aus seinen konventionellen Irrtümern auszugraben und dessen schlichte Einfalt und stille Größe sichtbar zu machen. Man wird wohl oder übel kommende Godotinszenierungen an dieser messen. Womit der Begriff “Provinzkultur” neu definiert werden muss."
Matthes & Seitz Berlin