LIEBES PUBLIKUM,

1968 formulierte der US-amerikanische Schriftsteller Philip K. Dick in seinem Roman »Träumen Androiden von elektrischen Schafen?« die These, dass nicht die Intelligenz das Unterscheidungsmerkmal zwischen Robotern und Menschen sei, sondern Empathie: die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.

Apropos: Haben Sie von »AlphaZero« gehört? Es handelt sich um ein Computerprogramm von »DeepMind«, einer Tochterfirma von Google, die auf die Entwicklung künstlicher Intelligenz spezialisiert ist. Im Dezember 2017 gewann »AlphaZero« in 100 Partien 28 mal gegen ein bis dahin als unschlagbar geltendes Schachprogramm (72 Partien endeten remis). Bemerkenswert daran: Das Programm hatte sich das Schachspielen selbst beigebracht und auf das Duell vorbereitet, indem es gegen sich selbst spielte. Für den israelischen Historiker Yuval Noah Harari markiert dieser Erfolg eine Zeitenwende, weil er darin einen Beleg dafür sieht, wie sich künstliche Intelligenz mittlerweile durch Selbstlernprozesse dergestalt optimiert, dass die daraus resultierenden Konsequenzen für die Zukunft der Menschheit unvorhersehbar sind.

Was aber hat Theater mit künstlicher Intelligenz zu tun? Für uns ist diese technische Entwicklung symptomatisch für die einschneidenden Veränderungen, welche die Zeit, in der wir leben, täglich erfährt. Die Wechselwirkungen zwischen dem »großen Ganzen« und der Vielfalt individueller Lebensentwürfe haben dabei – im Kielwasser von Digitalisierung, Migration, Klimawandel – eine Komplexität erreicht, bei der man leicht die Übersicht verliert. Und so ist die permanente Veränderung der Verhältnisse zum verbindenden Thema der Stücke geworden, die wir Ihnen in der Spielzeit 2019/20 zeigen; sie betrifft die Titelheldin in Theodor Fontanes Jahrhundertroman »Effi Briest« sowie das skurrile Personal in Wolfram Lotz’ moderner Odyssee »Die lächerliche Finsternis«.

Zwei konkrete »Veränderungen« bestimmen darüber hinaus die Spielzeit 2019 /20 auf eigene Weise: 30 Jahre Mauerfall und die Energetische Sanierung des TdA. Während wir das Jubiläum der Friedlichen Revolution zum Anlass nehmen, uns innerhalb des Projekts »Wende.Punkte« mit der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, inspiriert uns die Sanierung dazu, ungewöhnliche Spielorte im Stadtgebiet theatral für Sie zu erobern.

Veränderung, verehrtes Publikum, ist ein Teil unseres Lebens. Und während die ersten Roboter, die angeblich träumen können, in den Startlöchern stehen, bleibt das Theater der Altmark der Ort, an dem Sie Empathie und Gemeinschaft erfahren können. Dazu lade ich Sie herzlich ein!

Ihr
Wolf E. Rahlfs

 

 

 

 

 

 

 

Spielzeitheft 2019/20



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