LIEBES PUBLIKUM,

normalerweise (wenn Sie mir erlauben, in meiner 3. Spielzeit als Intendant am Theater der Altmark an dieser Stelle von »normalerweise« zu sprechen), normalerweise schreibe ich mein Grußwort für unser Spielzeitheft Anfang März, denn – normalerweise – haben wir zu diesem Zeitpunkt festgelegt, welche Stücke, Themen und Produktionen wir Ihnen in der Folgespielzeit präsentieren werden. Normalerweise… Während ich diese Zeilen im Mai 2020 neu verfasse, wagt sich Deutschland – Schritt für Schritt – hervor aus dem sogenannten »Shutdown«. Wir alle sind Teil eines gesellschaftlichen, medizinischen und wirtschaftlichen Ausnahmezustands, dessen Ausgang offen ist und in dessen Zentrum eine Frage steht, die an den Kern unseres kulturellen Selbstverständnisses rührt: Was ist eigentlich »normal«?

Ein Virus hat unsere Vorstellung von Normalität so grundsätzlich auf den Kopf gestellt, dass wir nur langsam zu verstehen beginnen, dass es diese Normalität in der Zeit nach oder eher mit dem Virus wohl nicht mehr geben wird. Durchseuchung, Reproduktionszahl, Social Distancing – die Liste der Begriffe, die wir vor einiger Zeit noch nicht kannten und jetzt mit aller Selbstverständlichkeit benutzen, ist lang und ein erstes Zeichen für eine neue Wirklichkeit, deren Regeln wir momentan verhandeln: Abstand halten ist das Gebot der Zeit, der Rückzug ins Private eine neue Form von Solidarität. Klingt verrückt? Ganz gewiss.

Auch uns Theatermacher*innen fordert diese Situation in ungekannter Weise heraus: Projekte, die in der Spielzeit 2019/20 kurz vor der Premiere standen, wurden abgesagt oder verschoben, einige davon wegen der langen Planungshorizonte am Theater bis in die Saison 2021/22. Binnen kürzester Zeit mussten an ihrer Stelle neue Ideen her, mit denen wir für Sie in der Spielzeit 2020/21 spielfähig sind. Denn bei aller Ungewissheit ist klar: Ein Theater, das nicht spielt, ein Theater ohne Publikum, das ist kein Theater.

Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Spielzeitheftes wünschen wir, Ensemble und Team des TdA sowie die Mitwirkenden in unseren Spielclubs, uns nichts sehnsüchtiger, als dass wir Sie bald wieder in allen Sparten des TdA – Abendspielplan, Junges TdA, Bürgerbühne – einladen dürfen, die neue Wirklichkeit, in der wir leben, theatral zu entdecken. Unseren Spielplan haben wir entsprechend »Corona-konform« umgebaut. Dabei machen wir weiterhin bekannte und weniger bekannte Räume im Stendaler Stadtgebiet zur Bühne, denn die Energetische Sanierung unseres Stammhauses schreitet in der Spielzeit 2020/21 ebenfalls voran.

Kunst und Kultur sind kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis des Menschen. Die Richtigkeit dieser Feststellung haben viele von uns in den letzten Wochen und Monaten physisch erfahren können. Wir freuen uns deswegen schon heute darauf, wenn wir Sie wieder begrüßen dürfen. Es wird ein Fest!

 

Ihr
Wolf E. Rahlfs

 



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