DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS

von Wolfram Lotz

Premiere: 7.9.2019 / 19.30 Uhr / Kleines Haus

Warum kann ich nicht freundlich sein, warum kann ich nicht ein wenig offen sein zu den anderen Kreaturen?

Hauptfeldwebel Pellner und der Gefreite Dorsch fahren auf einem Boot den Hindukusch hinauf und suchen nach dem verschollenen Oberstleutnant Deutinger, der im Wahn zwei Kameraden ermordet hat. Ihr Auftrag: die Liquidierung des außer Kontrolle geratenen Soldaten. Immer weiter entfernen sie sich von der vermeintlichen Zivilisation, immer tiefer geraten sie hinein in die Wildnis. Auf ihrer Reise begegnen sie einem ehemaligen Fischer, der nun, da seine Fischgründe von den reichen Nationen leergefischt wurden, seinen Lebensunterhalt als diplomierter Pirat verdient, italienischen Blauhelmsoldaten, die den Abbau des wertvollen Coltans überwachen, das für die Handyproduktion benötigt wird, und einem Bürgerkriegsflüchtling vom Balkan, der mit Lebensmitteln und Investmentfonds handelt, um sich über Wasser zu halten. Die Reise der Soldaten durch das afghanische Hinterland wird zu einer Reise in die Dunkelheit, ins »Herz der Finsternis«, wo alle Gewissheiten sich in Nichts auflösen. Mit ihrer Unfähigkeit, eine ihnen fremde Welt zu begreifen, stehen sie stellvertretend für ein Europa, das ungeachtet komplexer globaler Zusammenhänge und Krisen eigene Interessen verfolgt.

Der ursprünglich als Hörspiel konzipierte Text von Wolfram Lotz knüpft sowohl an Joseph Conrads »Herz der Finsternis« als auch an Francis Ford Coppolas »Apocalypse Now« an. Mit trauriger Ironie beschreibt er eine Welt, in der koloniale Geschichte und aktuelle Realitäten eng miteinander verwoben sind, und beschwört mit sprachgewaltigen Bildern das Grauen scheinbar weit entfernter Konflikte herauf.

Inszenierung: Wolf E. Rahlfs
Musik: Ulrich Hartmann

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