Eine Kleinstadt in der brandenburgischen Provinz. Hier wächst Mimi in den 1980er und 1990er Jahren auf. Mit dem Nachbarsjungen Oliver geht sie angeln, sie spielen Fußball, leisten gemeinsam den Pionierschwur und naschen heimlich von den Schnapskirschen der Eltern. Plötzlich ist die Wende da. Der Niedergang der DDR verspricht einen Neuanfang, weckt Hoffnungen einerseits und führt zu tiefen Verunsicherungen andererseits. Auch an Mimis Familie geht der gesellschaftliche Umbruch nicht spurlos vorbei. Die Mutter, eine ehemals linientreue Lehrerin, wird bedroht, der Onkel verliert seine Funktion in der Partei, der Vater wird zusehends kränker. Mimis Freundschaft mit Oliver zerbricht, als er sich einer Gruppe Skinheads anschließt. Schon bald ist er ihr Anführer und lässt sich »Hitler« nennen. Die Neonazis kontrollieren das Leben in der kleinen Stadt und machen Jagd auf Unangepasste, während der Rechtsstaat der Gewalt hilf- und tatenlos gegenübersteht. Viele schauen weg, Angst macht sich breit. Auch Mimi, die jetzt eine »Zecke« ist, wird bedroht und muss vor ihrem ehemaligen Freund fliehen. Es dauert nicht lange, bis die Situation vollends eskaliert …

Manja Präkels, geboren 1974 in Zehdenick, schildert in ihrem autobiografisch gefärbten Roman Mimis Kindheitserinnerungen ebenso eindringlich wie die Hilflosigkeit angesichts der um sich greifenden rechten Gewalt während der sogenannten »Baseballschlägerjahre« unmittelbar nach der Wende. Sie beschreibt schonungslos, »welche tiefen Spuren die Auflösung des sozialistischen Staates in den Biografien der Menschen hinterlässt. Vor allem erzählt sie aber davon, wie rechtes Gedankengut, Wut und Hass um sich greifen, wie aus Kinderfreunden Täter, wie aus Oliver ›Hitler‹ werden konnte«, so die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises.

Der Roman wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 und dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet.

 

Inszenierung: Louis Villinger
Bühne und Kostüme: Mark Späth
Musik: Niclas Ramdohr
Dramaturgie: Cordula Jung, Tristan Benzmüller


Mimi: Siri Wiedenbusch
Oliver, später Hitler / Oliver als Jungpionier / Nazimörder: Paul Worms
Mutsch, Mimis Mutter / Grufti / Nazi 2 / Nazimörder: Barbara Wurster
Pappi, Mimis Vater / Zottel / Nazi 1 / Nazimörder: Hannes Liebmann
Breschnew / Ulli Schmidtke / Steinmann 1 / Kumpane 2 / Wilhelm / Mann 3 /Schäfer / Nazimörder: Kathrin Berg
Katharina Ksanuke / Katharina als Jungpionierin / Arndt / Mann 2 / Krischi: Alexandra Sagurna
Michael Müller / Michael als Jungpionier / Kumpane 1 / Steinmann 1 / Ingeborg / Mann 1 /Nazimörder: Sebastian Hammer
Jungpionierin / Steinmann 2 /Grufti / Nazi3 / Glubke / Nazimörder: Claudia Tost

 

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Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

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Pressestimmen

»Ein voller Erfolg. (...) Schonungslos wird an diesem Abend im Uppstall-
Kaufhaus dem Publikum noch einmal nahe gebracht, welche tiefe Risse und Wunden die Auflösung und das Ende der DDR in Lebensschicksalen
und -geschichten bedeutete. (...) Es ist ein eindringlicher Abend im
Uppstall-Kaufhaus. Die karge Bühnendekoration. Das sichtbare
verwandeln der Schauspieler in andere Personen. Der hämmernde Rock, Beat und Punk, der das Blut pulsieren läßt. (...) Und ein Oliver, der als Hitler seine Sprache verliert und sich nur noch über Wolfsknurren artikuliert - für fesselnde 100 Minuten (...) werden die Wendejahre lebendig.«
Thomas Pfundtner, Volksstimme
»Stichwort: Baseballschlägerjahre. Menschen werden von Neo-Nazis
verfolgt, geschlagen, Häuser werden angezündet und das oft ohne
gesellschaftlichen Protest. (…) Diese gesellschaftliche Ohnmacht endlich aufzuarbeiten, auch künstlerisch, scheint – erst recht nach drei vergangenen Jahrzehnten – wichtig.«
Alexander Klos, MDR Sachsen-Anhalt Radio

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