Ich entziehe einer Gesellschaft das Vertrauen, die, obwohl nur aus Menschen zusammengesetzt, allein auf der Angst vor dem Menschen gründet.

Das perfekte Leben für jeden Menschen, Gesundheit und dadurch Glück – das ist Ziel der METHODE, einem Rechtssystem, das im Jahr 2057 den Umgang der Bevölkerung miteinander reguliert. Genforschung, medizinische Früherkennung und strenge Hygienegesetze verhindern selbst den Ausbruch von Erkältungen. Jede*r ist für das Gemeinwohl verantwortlich, in dem er*sie sich selbst und seine Gesundheit optimiert. Das Regime wird von den Bürger*innen unterstützt, denn es gilt als frei von jeglicher Ideologie und damit als unfehlbar. Auch die Biologin und Naturwissenschaftlerin Mia Holl ist Befürworterin der METHODE. Doch dann wird ihr rebellischer und dem System gegenüber kritisch eingestellter Bruder mit Hilfe genetischer Beweismittel des Mordes an einer Frau überführt. Trotz Beteuerung seiner Unschuld scheint die Rechtslage eindeutig und er begeht Selbstmord. Zweifel an dem Urteil führen dazu, dass Mia das System hinterfragt und eigene Nachforschungen anstellt, um die Unschuld ihres Bruders zu beweisen. Dabei vernachlässigt sie ihre Gesundheit und gerät wegen Gefährdung des Allgemeinwohls in das Visier der Justiz. Die politische Sprengkraft des Falls Mia Holl ruft den Journalisten Heinrich Kramer auf den Plan, dessen Buch »Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation« ein Schlüsselwerk der METHODE ist. Sein Gegenspieler ist der Rechtsanwalt Lutz Rosentreter, der Mia zur Seite steht. Rosentreter ist ein Gegner des Systems, das ihm aus immunologischen Gründen die Beziehung zu seiner großen Liebe verwehrte. Mia Holl wird zum Spielball eines Schauprozesses.

»Corpus Delicti« ist spannendes Justizdrama und Polit-Thriller gleichermaßen und stellt zudem die Frage, inwieweit das Leben noch lebenswert ist, wenn einzig und allein die biologische Seite zählt. Juli Zeh entwirft das Bild einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, in der das totalitäre Potential nicht aus einem offenen Machtwillen, sondern aus der vermeintlich positiven Fürsorge heraus entwickelt wird. Wie weit ist die Science-Fiction noch von der gelebten Gegenwart entfernt?

Inszenierung: Jochen Gehle

Corpus Delicti

Termine & Karten



Jahr 2023

Sa 04.02.
19:30 Uhr / Großes Haus
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