»Hören Sie auf zu schreien, Großmutter, schlagen Sie lieber.«

Wie kommt der Krieg ins Kind und wie kommt er da wieder raus?

Es ist Krieg. Das Leben in den Städten ist gefährlich, Bombenangriffe drohen. Eine junge Mutter bringt ihre beiden Söhne, Zwillinge, zur Großmutter aufs Land. Alte Hexe nennen die Leute sie. Sie nennt ihre Enkel Hundesöhne, schlägt sie, schickt sie zur Arbeit aufs Feld. Das Essen ist spärlich, zum Schlafen dient die Küchenbank. Aber die Zwillinge schlagen zurück. Nicht die alte Frau. Sondern sich. Ihre Übungen machen nennen sie das. Sie üben sich im Schmerz-Aushalten, in der Geduld, der Unerbittlichkeit, im Rechnen und Schreiben. Die Erlebnisse des Tages notieren sie in einem großen Heft, das sie dem Buchhändler durch kühne Beharrlichkeit abgeschwatzt haben. Oberstes Gebot all ihrer Übungen ist, jegliche Sentimentalität in sich abzutöten. Und so verfassen sie auch ihre Einträge: genau, präzise, aber nicht ohne Gespür für hintersinnige Komik. Am Ende überleben die Zwillinge den Krieg und die Besatzung in einem gottähnlichen
Zustand, in dem Güte und Grausamkeit kaum noch voneinander zu unterscheiden sind.

Der Roman »Das große Heft« der ungarischen Autorin Ágota Kristóf ist eine der eindringlichsten und zugleich verstörendsten Auseinandersetzungen mit der Frage, was es heißt, ein Mensch zu sein in Zeiten des totalen Krieges. Er wurde in 40 Sprachen übersetzt, verfilmt und für die Bühne adaptiert.

von Ágota Kristóf
aus dem Französischen von Eva Moldenhauer
Regie und Bühnenfassung: Johanna Schall
Ausstattung: Mark Späth

Premiere: 27.1.2024 / Großes Haus / Preisgruppe B

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